Paul Klee, Angelus novus, 1920, Ölpause und Aquarell auf Papier auf Karton, Collection of the the Israel Museum, Jerusalem -
Paul Klee, Angelus novus, 1920, Ölpause und Aquarell auf Papier auf Karton, Collection of the the Israel Museum, Jerusalem
31.05.2008 – 26.10.2008

Lost Paradise. Der Blick des Engels

Eine Ausstellung im Rahmen von Jenseits von Eden. Eine Gartenschau Ausstellungen, Installationen und Events verwandeln das gesamte Haus mitsamt Umschwung in einen dynamischen Themenpark, der Innenräume und Aussenflächen in ebenso spannungs- wie wechselvolle Bezüge setzt.

«Es gibt ein Bild von Klee, das «Angelus Novus» heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füsse schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schliessen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.» (Walter Benjamin)

Parallel zur Ausstellung Paul Klees Zaubergarten wird unter dem Titel Lost Paradise – Der Blick des Engels die Kehrseite des Gartens als arkadischer Rückzugsort untersucht. Den Grundstein der Ausstellung bildet Paul Klees Schlüsselwerk «Angelus novus», welches dem Philosophen Walter Benjamin als visuelle Allegorie für seinen Engel der Geschichte diente. Lost Paradise versucht dem erschreckten Blick zu folgen, den der Engel der Geschichte vom Paradies her auf die Katastrophen der Welt wirft. Äusserst glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass das kostbare Werk aus dem Israel Museum in Jerusalem ins Zentrum Paul Klee reisen kann. Darum herum zeigen rund hundertfünfzig Exponate von Künstlern aus Gegenwart und Vergangenheit die Kehrseite des Kleeschen Zaubergartens: den Trümmerhaufen des Fortschrittes, die Welt der Zerstörungen, umherirrende Menschen, das nackte Leben; aber auch wiederkehrende Versuche, sich im «tot geglaubten Park» (Rainer Maria Rilke) das verlorene Paradies vorzustellen und auszumalen. Das Künstlerpaar Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger lässt ein Gewächs spriessen aus belaubten Kurven, leidenden Früchten und prämierten Äpfeln, mit Baumausschlägen, Lampenirregulationen und Kassiererinnen im Samba-Glück, Kristallgewächsen, Hirschgeweihen und Hortensien, Rossbollen-Wurzelknollen, lustigen vertrockneten Kakteen, Flugsamen und Glockenblumen aus Novilan. Diese «Verquickung» wuchert zu einer raumgreifenden Installation über die Museumsstrasse bis hinein in Paul Klees Zaubergarten und hinunter zum verlorenen Paradies.