Ausstellungsraum - © M. Stollenwerk
Ausstellungsraum
© M. Stollenwerk
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19.09.2009 – 24.05.2010

Paul Klee. Leben und Nachleben

Paul Klees Werk ist eine gemalte und gezeichnete Biografie – auch wenn viele seiner Mitteilungen verschlüsselt sind und dem Betrachter Rätsel aufgeben. Bei genauerer Betrachtung aber offenbart sich, wie sehr es von Klees Charakter, seinen Lebensumständen und seiner Umgebung geprägt ist.

Seine Werke zeigen seine Vorliebe für Satire und Groteske, aber auch sein Bedürfnis nach Erfolg und Anerkennung. Sie berichten von seiner Familie, seinen Reisen und seiner zwiespältigen Haltung gegenüber Politik und Weltgeschehen. Und nicht zuletzt erzählen sie von seinen künstlerischen Experimenten zwischen Expressionismus und Konstruktivismus, Bauhaus und Picasso. Immer versuchte Klee sich als Individualist zu behaupten und gegenüber dem Zeitgeist seine persönliche Kunstform zu bewahren. Klee war ein widerständiger Künstler, der sich mit Ironie und scharfer Beobachtungsgabe gegen seine Umwelt wappnete und bissige Kommentare in seinen Bildern formulierte. Er war Philosoph, aber auch Buchhalter und Stratege und hatte bei aller Spiritualität seine öffentliche Laufbahn präzise im Blick. 

Die neue Klee-Ausstellung des Zentrum Paul Klee, die von September 2009 bis Mai 2010 zu sehen sein wird, stellt die Biografie Klees in den Mittelpunkt. Vierzehn neue Themenräume beschäftigen sich mit den Stationen von Klees Lebens- und Werkgeschichte von seinen Anfängen um 1900 bis zu seinen letzten Werken im Jahr 1940. Frühe Bildnisse seiner Familie werden dabei zu sehen sein, wie auch seine späten Erinnerungen an Personen und Episoden seines Lebens. Man sieht Klee im Kreis von Werken seiner Künstlerfreunde Marc, Kandinsky oder Kubin und kann seine Reaktionen auf den Ersten Weltkrieg und den Nationalsozialismus verfolgen.

Die Auswahl von ca. 150 Werken Klees wird begleitet von einer umfangreichen Präsentation seiner Biografie in ca. 30 «Schaufenstern». Mit Fotografien und persönlichen Requisiten, Briefen, Büchern und  Zitaten werden wichtige Lebensstationen in einzelnen, kleinen Vitrinen-Ausstellungen inszeniert: «Klee als Schüler», «Der 50. Geburtstag», «Krankheit und Tod» sind Beispiele aus dieser Folge. Die Dokumentation geht aber über Klees Lebenszeit weit hinaus. Sie macht deutlich, wie Klees Persönlichkeit und Werk bis heute weiter wirken und nicht nur zahllose Besucherinnen und Besucher anziehen, sondern Künstler, Musiker, Schriftsteller und Entwerfer verschiedenster Art inspirieren. In drei Lounges – einer «Audiothek», einer «Videothek» und einer «Bibliothek» kann man sich niederlassen und Musik hören, Filme sehen und über Paul Klee nachlesen.

Mit dieser dokumentarischen Präsentation gibt das Zentrum Paul Klee erstmals Einblick in die umfangreichen Bestände seines Archivs, in dem jede Art von Dokumenten über Paul Klee gesammelt werden – seien es historische Dokumente aus Klees Lebzeiten, aktuelle musikalische Kompositionen oder Kreationen für Museumsshops. Das Archiv des Zentrum Paul Klee ist das Ergebnis einer längjährigen Sammeltätigkeit.

Der weitaus gewichtigste Teil ist der Familie Klee zu verdanken. Felix Klee, der Sohn von Paul und Lily Klee-Stumpf, hat die von seinen Eltern übernommenen Erinnerungsstücke während Jahrzehnten gehütet und daraus wichtige Teile der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nach seinem Tode im Jahre 1990 haben die Erben, Livia Klee-Meyer, die zweite Frau von Felix Klee, und Alexander Klee, der Sohn von Felix Klee aus erster Ehe, beschlossen, die Dokumente zu Paul und Lily Klee-Stumpf aus dem Familienarchiv dem Zentrum Paul Klee zu schenken. Das Zentrum Paul Klee kann nun in Zukunft noch umfassender als bisher die Lebensgeschichte des Jahrhundertkünstlers anschaulich vermitteln. Weitere Schenkungen, wie das Archiv der Familie Bürgi sind uns versprochen. Felix Klee wird in einigen der Ton- und Filmdokumente zu hören und zu sehen sein. Ihm ist die Ausstellung Paul Klee – Leben und Nachleben gewidmet.