Zentrum Paul Klee
Bern
05/09/14—11/01/15
Antony Gormley.
Expansion Field
Paul Klee, Teppich der Erinnerun, 1914, 193, Ölfarbe auf Öl- und Kreidegrundierung auf Leinen, mit Aquarell eingefasst, auf Karton, Zentrum Paul Klee -
Paul Klee, Teppich der Erinnerun, 1914, 193, Ölfarbe auf Öl- und Kreidegrundierung auf Leinen, mit Aquarell eingefasst, auf Karton, Zentrum Paul Klee
30.05.2009 - 30.08.2009

Paul Klee. Teppich der Erinnerung

Die dritte Orient-Ausstellung, Paul Klee. Teppich der Erinnerung, bildet den Abschluss der «Grand tour oriental» des Zentrum Paul Klee, die durch Raum und Zeit führt.

Hier werden ausgewählte inhaltlich-formale Aspekte des Orient-Themas im Werk von Paul Klee vertieft: Die Architektur, die Kalligrafie, das Ornament zusammen mit der textilen Ornamentik sowie der Aspekt der Farbe und der Technik des Aquarells im Schaffen Klees. Die spezifischen Aspekte der Auseinandersetzung Klees mit der arabischen und muslimischen Kultur werden über die Tunesien- und Ägyptenreise von 1928 hinaus untersucht.

Unter dem Eindruck der maurischen Architektur hat Paul Klee entwickelt, was er seine eigene «Bildarchitektur» nannte. Zum einen faszinierten ihn die malerischen Aspekte der maurischen Architektur, enge Gässchen und stimmungsvolle Silhouetten, vor allem aber die geometrisch-kubische Struktur der maurischen Bau- und Stadtkörper. In zahlreichen, bisweilen völlig abstrakten Aquarellen zeigen sich faszinierende Parallelen zwischen der Stadtarchitektur und Bildstruktur. Oft verschränken sich Bauwerke und Landschaft in Klees Werk, indem die Darstellung der Landschaft in eine übergeordnete Systematik der Bildarchitektur einbezogen wird.

Die arabische Kalligrafie, die sumerischen Keilschriften sowie die Bildsprache der altägyptischen Hieroglyphik wiederum haben Klee zu einem eigenen Bildalphabet inspiriert. Viele seiner Werke sind als Schriftbilder zu lesen, deren genauen Inhalt und Bedeutung sich einer verbindlichen Lesart allerdings entziehen: Die «Bildtexte» erschliessen sich dem Betrachter gleichsam über eine assoziative «Lektüre». Paul Klee war fasziniert von der vieldeutigen Semiotik der orientalischen Schriftzeichen und deren Oszillieren zwischen abstraktem Zeichencharakter und Bildhaftigkeit. Im Ornament schliesslich sah Klee ein unerschöpfliches Potential für geometrische Gestaltungsmöglichkeiten. In diesem Sine hatte der dekorative Reichtum der orientalischen Kunst für ihn richtungweisenden Charakter. Klee versah zahlreiche Werke im Titel mit dem Zusatz «dekorativ» oder «ornamental», eine Praxis, die den avantgardistischen Dogmen der Abstraktion zuwider lief.