Ausschnitt Alexej von Jawlensky, Prinzessin Turandot, 1912/N.61, Zentrum Paul Klee, Bern, Leihgabe aus Privatbesitz -
Ausschnitt Alexej von Jawlensky, Prinzessin Turandot, 1912/N.61, Zentrum Paul Klee, Bern, Leihgabe aus Privatbesitz
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Ausstellungen 02.02.2013 – 26.05.2013

Klee und Jawlensky - Eine Künstlerfreundschaft

Auch der Individualist Paul Klee wäre ohne seine Künstlerfreunde nicht zu dem überragenden Maler geworden, als den wir ihn kennen. Die Freundschaft mit Alexej von Jawlensky war dabei von besonderer Bedeutung.

Die beiden Maler lernten sich 1912 im Umfeld des Blauen Reiters in München kennen und brachten dem Werk des jeweils anderen eine grosse Wertschätzung entgegen. Mit keinem anderen Künstler hat Klee so viele Bilder getauscht wie mit Jawlensky. Obwohl sich die beiden Künstler nach 1925 nur noch einmal persönlich trafen, schenkten sie sich weiterhin gegenseitig Bilder und nahmen in ihrem Briefwechsel Anteil am Schicksal des anderen.

In dieser Ausstellung werden erstmals die zahlreichen hochkarätigen Werke von Alexej von Jawlensky gezeigt, die sich im Zentrum Paul Klee befinden. Es handelt sich einerseits um Werke aus dem Nachlass von Paul Klee, die als Schenkung von Livia Klee in das ZPK gelangten, andererseits um wertvolle Leihgaben von privaten Sammlern, unsere Klee-Bestände bereichern.

Künstlerische Anfänge
Das frühe Schaffen Jawlenskys und Klees ist ebenso geprägt von der Kunstausbildung, die sie am Ende des 19. Jahrhunderts durchliefen wie von ihrem künstlerischen Willen, die akademischen Schematismen zu überwinden. So nehmen das Porträt und die Menschendarstellung als klassische Gattungen der Malerei im Frühwerk beider Künstler einen wichtigen Platz ein. Modell sassen ihnen oft Menschen aus dem familiären und persönlichen Umfeld. Dies wie auch der subjektive darstellerische Ausdruckswille der beiden jungen Maler trugen zum individuellen Charakter der Porträtstudien bei. Für Jawlensky blieb die Darstellung des Menschen, insbesondere des menschlichen Gesichts, zeit seines Schaffens das beherrschende Bildthema, während sie in Klees Schaffen ein Motiv unter vielen blieb.

Bildertausch – Zeichen der Freundschaft
Zwischen 1914 und 1935 schenkten sich die beiden Künstler als Zeichen ihrer gegenseitigen Wertschätzung und Freundschaft 30 Werke (15 Bilder Klees, 15 Bilder Jawlenskys). Der Austausch, an dem zeitweilig auch Jawlenskys Lebensgefährtin, die Künstlerin Marianne Werefkin, beteiligt war, begann noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Für Klee waren diese Bilder «die kostbarsten und persönlichsten Geschenke» überhaupt.

Stillleben – neu gesehen
Sowohl Jawlensky wie auch Klee beschäftigten sich mit traditionellen Bildgattungen wie dem Stillleben, an dem sich ihre bildnerische Experimentierfreude entzündete. Ausgehend vom Vorbild der Impressionisten oder der Dachauer Malschule suchten beide Künstler nach einer «Verlebendigung» der Bildgegenstände durch den Gebrauch leuchtender Farben, durch die Wahl ungewöhnlicher Blickwinkel und Perspektiven sowie durch die dynamische Darstellung von Umrissen und Volumen. Die bildnerische Auseinandersetzung mit dem Stillleben tritt im Schaffen der beiden Künstler nach 1914 in den Hintergrund. Vereinzelt malte Jawlensky aber auch danach Blumenstillleben, die wie ein Innehalten in seiner fast ausschliesslichen Beschäftigung mit dem menschlichen Gesicht anmuten. Auch Klee beschäftigte sich – meist in ironischer Brechung – bis in sein Spätwerk mit dieser Gattung.

Landschaften
In der Landschaftsmalerei lässt sich in einem Zeitraum von gut zehn Jahren ein tiefgreifender künstlerischer Wandel im Schaffen der beiden Künstler verfolgen. Anfänglich war ihre Malerei auch in dieser Gattung von Vorbildern des 19. Jahrhunderts geprägt. Die Hinwendung zur Abstraktion vollzog Jawlensky in seinem Schweizer Exil in St. Prex oder Ascona mit den so genannten Variationen der Jahre 1915 und 1916. Klee fand 1914 unter dem Einfluss der Farbfeldmalerei von Robert Delaunay zu abstrakten Bildlösungen, die er nicht selten in imaginäre Landschaften überführte.

Mystische Köpfe – Meditationen
Die Darstellung des menschlichen Gesichts wurde für Alexej von Jawlensky zur alles überragenden künstlerischen Aufgabe, der er sich ab 1916 fast ausschliesslich widmete. 1917 entstanden die ersten Werke seiner Serie der Mystischen Köpfe sowie der Christusköpfe. Diese sind durch die Reduktion der Darstellung auf einfache Zeichen für Augen, Nase und Mund sowie die Umrisse von Kopf und Hals geprägt. Ab 1926 entwickelte er daraus das Motiv der «Abstrakten Köpfe», die stets frontal gesehen eine heraldische U-Form und geschlossene Augen aufweisen. Aufgrund einer Arthritis-Erkrankung, die ihn zunehmend lähmte, verliess Jawlensky ab 1934 oft völlig die Kraft seiner Hände. Deshalb war er gezwungen, beim Malen die linke Hand zur Hilfe zu nehmen. Unter diesen Vorzeichen entstand ab 1937 die Werkgruppe der so genannten Meditationen, die in ihrer geistigen Präsenz an die byzantinische Ikonenmalerei erinnern.

Spiel der Gesichter
Klees Augenmerk in der Darstellung des menschlichen Gesichts lag in seinem Interesse an den vielfältigen Charakteristiken menschlicher Physiognomien. Er schöpfte dafür aus einem unermesslichen Schatz von Formmöglichkeiten und näherte sich seinen imaginären und meist ironisch zu verstehenden Gesichtern spielerisch und assoziativ an. Im Gegensatz dazu schuf Jawlensky seine Köpfe aus einem formal streng reduzierten, aber dafür farblich umso reichhaltigeren Fundus.

Architektur und Raum
Die Darstellung von Architektur und Raum war für Paul Klee sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ein zentraler Aspekt seines Schaffens. Im Werk Jawlenskys spielte die Thematik nur im abstrakten Sinne als «Farbarchitektur» des Bildes eine Rolle. Architekturdarstellungen beschränken sich in seinem Werk deshalb auf vereinzelte Stadtansichten, während Klee vor allem während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus die räumliche Dimension realer und virtueller Räume auslotete.

Selbstporträt
Selbstporträts sind Mittel der künstlerischen Selbstdarstellung und -reflexion. Während der bereits in den 1910er-Jahren recht erfolgreiche Jawlensky in seinem Selbstporträt von 1912 eine selbstbewusste Präsenz ausstrahlt, sind die Selbstbildnisse Klees aus jenen Jahren von zurückhaltender Distanz geprägt. In einigen Selbstbildnissen stilisiert sich Klee zu einem weltabgewandten, in sich versunkenen Künstler, der seine Bildwelten vollkommen aus einer inneren Welt erzeugt. Damit verweist er ganz bewusst auf sein Image wie es durch die Presse und durch eigene schriftliche Zeugnisse aufgebaut wurde.

Programm Februar bis April