Do 24.05.2012

Medienmitteilung
Eröffnung der Ausstellung «Höhere Wesen – Sigmar Polke und Paul Klee»

26.5. bis 7.10.2012

Mit der Ausstellung «Höhere Wesen – Sigmar Polke und Paul Klee» zeigt das Zentrum Paul Klee die Werke zweier Künstler, die sich zwar nie getroffen haben, deren Positionen aber vielschichtige Parallelen aufweisen. Beide kommentierten übersinnliche Phänomene mit ironisch-distanziertem Blick. Erstmals findet eine Gegenüberstellung der Werke dieser bedeutenden Künstler statt.

Sigmar Polke kam 1941, acht Monate nach Paul Klees Tod, zur Welt und starb 2010. Obwohl die beiden Künstler unterschiedlichen Generationen angehörten, sind sie in ihrem künstlerischen Schaffen Seelenverwandte. Beide kommentierten das gesellschaftliche, politische und kulturelle Leben ihrer Zeit mit Ironie und Witz. Sie erfanden unkonventionelle künstlerische Techniken und setzten ihre Beobachtungen stets humorvoll um, ohne sich jedoch darüber lustig zu machen.

Der formale Unterschied zwischen den grossformatigen Gemälden von Sigmar Polke und den kleinformatigen Papierarbeiten von Paul Klee wird durch den ähnlichen Zugang zu übersinnlichen Phänomenen nebensächlich. Die Kunstwerke treten in einen spannenden Dialog und ermöglichen eine neue Sichtweise auf das jeweilige Schaffen.

Die Ausstellung wird von Dr. Fabienne Eggelhöfer kuratiert.
Die Eröffnung findet am Freitag, 25. Mai 2012, um 18 Uhr im Zentrum Paul Klee statt.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Maria-Teresa Cano, Leiterin Kommunikation und Kunstvermittlung, mariateresa.cano@zpk.org, Tel. +41 (0)31 359 01 01

Begleitprogramm zur Ausstellung

Mittwoch, 30. Mai, 16-17 Uhr
Einführung für Lehrpersonen mit Tipps für den Besuch mit der Schulklasse
Gratis | Ohne Anmeldung

Mittwoch, 5. September, 18 Uhr
«POLKLEE – Mutmassungen über Polke und Klee»
Peter Fischer (Direktor ZPK) im Gespräch mit der Polke-Kennerin Bice Curiger (Chefredakteurin Parkett, Kuratorin u.a. am Kunsthaus Zürich) und Fabienne Eggelhöfer (Kuratorin ZPK)
Ausstellungseintritt | Die Ausstellung ist bis Veranstaltungsbeginn durchgehend geöffnet.

Sonntag, 16. September, 10.30–12 Uhr
Familienmorgen «Meeresmonster»
Das Bild Meeresmonster von Sigmar Polke ist Ausgangspunkt für einen geführten gemeinsamen Ausstellungsbesuch, der die Kleinen zur anschliessenden kreativen Arbeit in einem Workshop im Kindermuseum Creaviva anregt, während die Grossen die Führung fortsetzen, um sich weiter in die Ausstellungsthemen zu vertiefen.
CHF 10 pro Familie + Ausstellungseintritt | Anmeldung: Tel. 031 359 01 61 oder creaviva@zpk.org

Literarische Führungen mit Michaela Wendt
«Möbelrücken und Gläsertanzen»
Parodien, Klischees, Wahres und Unwahres zu Spiritismus, Parapsychologie, Aberglauben, Tele- und andere -pathien – verwirrte, ausgewählte Texte aus der Literatur, vorgelesen von Michaela Wendt zu Werken der Ausstellung
Mi 6. Juni, 13 Uhr | So 24. Juni, 15 Uhr | Mi 15. August, 13 Uhr | So 26. August, 15 Uhr | So 9. September, 15 Uhr | Mi 19. September, 13 Uhr
CHF 5 + Ausstellungseintritt | Kein Vorverkauf | Kann auch als private Führung gebucht werden: Tel. 031 359 01 94

Mit Audio Guide (D, F, E, I)

Höhere Wesen – Sigmar Polke und Paul Klee

Polke und Klee
Wie intensiv sich Sigmar Polke mit dem Werk von Paul Klee auseinandergesetzt hat, lässt sich nur schwer eruieren. Klar ist, dass er es gekannt hat, zum einen weil Klee wohl keinen einzigen nachfolgenden Kollegen von Rang unberührt gelassen hat. Zum anderen kannte Polke das Schaffen von Klee über seinen älteren Bruder Wilfrid, seines Zeichens Bildhauer. Er soll in jungen Jahren – wie sich Polke erinnerte – vom Dadaismus und auch von Klee geschwärmt haben. Schliesslich wegen Bern, einem von Klees Lebensmittelpunkten und Stätte seines Nachlasses. Seit den 1970er Jahren hielt sich Polke wiederholt in Bern auf. Toni Gerber veranstaltete 1970 in seiner Galerie Polkes erste Einzelausstellung in der Schweiz. Es entwickelten sich Freundschaften, nebst Toni Gerber mit Johannes Gachnang, mit Jürgen Glaesemer und anderen. Letzterer amtierte seit 1971 als Konservator der Paul Klee-Stiftung, sodass Besuche bei der Paul Klee-Stiftung im Kunstmuseum Bern für Polke wohl zur Berner Tagesordnung gehört hatten.

Polke und das Unfassbare
Sigmar Polke liess sich in seinem künstlerischen Schaffen von wissenschaftlichen aber auch von populären Ideen und Bildern inspirieren. Immer wieder bediente er sich Illustrationen in alten wissenschaftlichen Publikationen, nutzte ein an den seriellen Druck anmutendes Raster als formales Element oder spielte auf die Kunst der Moderne an. Mit Dekostoffen, die als Malgrund dienten, und Flamingos oder Palmen, die Sehnsucht nach Exotik weckten, bezog er sich auf den gutbürgerlichen Mief der 1950er und 60er Jahre. In seinem Werk schwingt ständig eine gewisse Ironie mit, trotzdem war er kein Künstler, der sich mit Distanz über alles andere lustig machte. Vielmehr war er an einer Reflektion über gewisse Phänomene, die er mit seinen Werken kommentierte, interessiert.

Klee und das Unfassbare
Unheimliches und geheimnisvolle Phänomene tauchen in Paul Klees Bildern immer wieder auf. Neben der Darstellung mythologischer Fabelwesen und Göttern schuf Klee mehrere Werke mit Wind-, Feuer-, Wasser- und Erdgeistern. Die Mittler zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt treten gelegentlich auch in der Gestalt von Kobolden, Hexen und Dämonen auf.
Klee schöpfte seine Figuren aus den Geschichten der antiken Mythologie und der Sagen- und Märchenwelt, stellte sie aber als schelmische, unfolgsame, vergnügliche Wesen in Menschengestalt dar. Viele der vorgefundenen Wesen gestaltete er in fantastischer Metamorphose zu eigenen Kreaturen um. Ebenso spöttisch war sein Umgang mit spiritistischen oder okkulten Erscheinungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in München Hochkonjunktur hatten. Die Stadt war nicht nur Mittelpunkt der deutschen Okkultismusforschung, sondern ebenfalls Wohnort von Rudolf Steiner, der in zahlreichen Vorträgen die theosophische Lehre verbreitete und damit viele Künstler der Moderne beeinflusste. Klee distanzierte sich dagegen von der Theosophie. Seine Haltung gegenüber institutioneller Religion war ebenso von Skepsis und Distanz geprägt. Hingegen setzte er sich, auch angesichts seiner schweren Krankheit mit dem Tod und dem Jenseits intensiv auseinander.