Die Schenkungsangebote der Familien Klee und Müller und die Standortfrage

Livia Klee-Meyer, Alexander Klee und die Paul-Klee-Stiftung

1997 unterbreitete Livia Klee-Meyer, die Tochter des Bauhaus-Direktors Hannes Meyer und seit 1980 Gattin von Felix Klee, der Stadt und dem Kanton Bern ein Schenkungsangebot. Mit der Annahme der Schenkung kam die öffentliche Hand in den Besitz von annähernd 700 Werken von Paul Klee und verpflichtete sich zugleich, bis spätestens Ende 2006 ein Paul Klee gewidmetes Museum zu errichten und langfristig zu betreiben.

1998 sprach Alexander Klee, Sohn von Felix Klee, der künftigen Institution vertraglich rund 850 Leihgaben und die Schenkung von Dokumenten aus dem Besitz der Familie zu.

Noch im selben Jahr bekundete die Paul-Klee-Stiftung ihren Willen, mitsamt ihren Beständen (rund 2600 Werke) und umfangreichen Archivalien im Zentrum Paul Klee aufzugehen.

Durch das Zusammenführen der erwähnten Bestände und die Gewinnung weiterer rund 150 Leihgaben aus mehreren Privatsammlungen wurde die weltweit grösste Sammlung an Werken eines Künstlers von Weltrang geschaffen.

Die Standortfrage

Als Standort für das neue Klee-Museum wurde zu Beginn das dem Kunstmuseum Bern gegenüber liegende ehemalige Schulhaus, das auch Paul Klee besucht hatte, favorisiert. Unter einem betrieblichen Dach mit dem Kunstmuseum hätten zahlreiche Synergien genutzt werden können. Auch ein Museum für Gegenwartskunst wurde damals von der Gesamtprojektleitung für diesen Standort geplant sowie die Schaffung einer Akademie unter Einbezug des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Bern. Auf Initiative von Berner Architekten wurde dann die Suche nach einem alternativen Standort eingeleitet, der einen Neubau in der Innenstadt hätte ermöglichen sollen.

Das Schenkungsangebot der Familie Müller

Mit dem 1998 ausgesprochenen Schenkungsangebot von Prof. Dr. Maurice E. Müller und seiner Gattin Martha Müller-Lüthi erhielt die Standortfrage des Klee-Museums eine neue Dimension: Plötzlich rückte ein Neubau im Schöngrün am Berner Stadtrand in greifbare Nähe. Das Angebot umfasste die Schenkung des Kapitals für den Bau des Zentrum Paul Kee und die Schenkung von zwei Landparzellen für die Realisierung des Zentrum Paul Klee. Zu diesem Zwecke erfolgte die Gründung der privat-rechtlichen Maurice E. and Martha Müller Foundation zur Errichtung des Zentrum Paul Klee.

Die Schenkungen der Familie Müller waren und sind im wesentlichen mit drei Auflagen verbunden: Der Standort ist das Berner Schöngrün, das heisst jenes Quartier, in dem sich auch Paul Klees letzte Ruhestätte befindet; mit dem Bau wird der weltweit anerkannte Architekt und Freund der Familie Müller, Renzo Piano, beauftragt; die neue Heimat aller Bestände an Werken von Paul Klee und seiner Künstlerfreunde, die sich in Bern in öffentlichem Besitz befinden, wird nicht ein traditionelles Museum, sondern ein kulturelles Zentrum für Menschen aller Altersstufen.

Mit ihrem grosszügigen, an die öffentliche Hand gerichteten Schenkungsangebot haben Prof. Maurice E. und Martha Müller-Lüthi sowohl die Erweiterung des geplanten Paul Klee-Museums zum Kultur-, Wissenschafts- und Forschungszentrum, als auch einen Neubau im Schöngrünquartier der Stadt Bern ermöglicht. Damit ihre Vision eines Ortes der vielfältigen künstlerischen, wissenschaftlichen und pädagogischen Auseinandersetzungen mit Paul Klee Wirklichkeit werden kann, hat die Gründerfamilie Müller das Projekt mit beispielloser Grosszügigkeit und grossem persönlichem Engagement gefördert.

Die Gründerfamilien Müller

Dem international renommierten Chirurgen, Pionier der orthopädischen Chirurgie, und im August 2002 in San Diego von der SICOT (Société internationale de chirurgie orthopédique et de traumatologie) für seine Errungenschaften und Erfolge als Chirurg des Jahrhunderts gefeierten Prof. Dr. med. Maurice E. Müller, Dr. h. c. mult., und seiner Gattin Martha Müller-Lüthi ist es weitgehend zu verdanken, dass in Bern mit dem Zentrum Paul Klee eine in ihrer Art einzigartige neue kulturelle Institution entstanden ist.

«Ein Paul Klee-Zentrum in Schöngrün ist meine Vision. Hier könnte das Museum von der Weite und der einmaligen landschaftlichen Atmosphäre profitieren. Paul Klee war selbst ein grosser Lehrer. Mein grösster Wunsch ist es, dass dem Paul Klee-Museum in Schöngrün auch eine Forschungsstätte mit dazugehörenden Schulungsräumen angegliedert ist. Es ist ein Kulturgut, in Wissen und Kunst zu investieren.»
Aussage von Prof. Maurice E. Müller anlässlich der Medienorientierung vom 13. Juli 1998.