Zentrum Paul Klee
Bern
05/09/14—11/01/15
Antony Gormley.
Expansion Field
Th 08.03.2012

Medienmitteilung
Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Paul Klee

10. März bis 20. Mai 2012

Unheimliches und geheimnisvolle Phänomene tauchen in Paul Klees Bildern immer wieder auf. Neben der Darstellung mythologischer Fabelwesen und Göttern schuf Klee mehrere Werke mit Wind-, Feuer-, Wasser- und Erdgeistern. Die Mittler zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt treten gelegentlich auch in der Gestalt von Kobolden, Hexen und Dämonen auf.

Klee schöpfte seine Figuren aus den Geschichten der antiken Mythologie und der Sagen- und Märchenwelt, stellte sie aber als schelmische, unfolgsame, vergnügliche Wesen in Menschengestalt dar. Viele der vorgefundenen Wesen gestaltete er in fantastischer Metamorphose zu eigenen Kreaturen um. Ebenso spöttisch war sein Umgang mit spiritistischen oder okkulten Erscheinungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in München Hochkonjunktur hatten. Die Stadt war nicht nur Mittelpunkt der deutschen Okkultismusforschung, sondern ebenfalls Wohnort von Rudolf Steiner, der in zahlreichen Vorträgen die theosophische Lehre verbreitete und damit viele Künstler der Moderne beeinflusste. Klee distanzierte sich dagegen von der Theosophie. Seine Haltung gegenüber institutioneller Religion war ebenso von Skepsis und Distanz geprägt. Hingegen setzte er sich, auch angesichts seiner schweren Krankheit mit dem Tod und dem Jenseits intensiv auseinander.

Die Ausstellung wurde von Fabienne Eggelhöfer kuratiert und umfasst ca. 180 Gemälde und Arbeiten auf Papier von Paul Klee.
Die Eröffnung findet am Freitag, 9. März 2012, um 18 Uhr im Zentrum Paul Klee statt.

Für weitere Auskünfte steht Ihnen gerne zur Verfügung: Maria-Teresa Cano, Leiterin Kommunikation und Kunstvermittlung, mariateresa.cano@zpk.org, Tel. +41 (0)31 359 01 01

Begleitprogramm zur Ausstellung:

Mittwoch, 25.4.2012, 18 Uhr
Führung «Geister Zug»
Eine unheimliche Führung mit Taschenlampe und spannungsvoller Musik
CHF 5 + Ausstellungsticket. Die Anzahl der Teilnehmenden ist beschränkt. Nur auf Voranmeldung: Tel. 031 359 01 94; kunstvermittlung@zpk.org

Sonntag, 6.5.2012, 10.30–12 Uhr
Familienmorgen «Hexenschreck»
Ein geführter gemeinsamer Ausstellungsbesuch regt die Kleinen zur anschliessenden kreativen Arbeit in einem Workshop im Kindermuseum Creaviva an, während die Grossen die Führung fortsetzen, um sich weiter in die Ausstellungsthemen zu vertiefen.
CHF 10 pro Familie + Ausstellungsticket; Die Anzahl der Teilnehmenden ist beschränkt.

Literarische Führungen mit Michaela Wendt
«Sehr beeindruckt mich das spürbar Unsichtbare.»
Sonntag, 18.3., 15 Uhr; Mittwoch, 28.3., 13 Uhr; Sonntag, 22.4., 15 Uhr; Sonntag, 29.4., 15 Uhr; Mittwoch, 9.5., 13 Uhr; Mittwoch, 16.5., 13 Uhr
CHF 5 + Ausstellungsticket; kein Vorverkauf; Dauer 60 Minuten
Öffnungszeiten: Di-So 10-17h | Mo geschlossen Private Führungen für Gruppen: 031 359 01 94; kunstvermittlung@zpk.org

Unheimlich. Hexen, Geister und Dämonen bei Paul Klee

Geister und Gespenster
Klee nimmt in seinem Schaffen Geisterwesen in allen Schattierungen auf. Sie pendeln zwischen Ernst und Humor sowie Spirituellem und Irdischem und zeigen immer wieder die Verwandlung und Mischung unterschiedlicher Wesen und Formen.

Fabelwesen
Neben Göttern und Geistern waren die Fabelwesen ein beliebtes mythologisches Motiv von Klee. Es handelt sich dabei vorwiegend um Nymphen und Nereïden, Elfen, Amazonen oder um die Sphinx. Die Existenz dieser Wesen mit menschlichen Zügen ist nicht belegt, sondern durch Fabeln überliefert worden.

Geheimzeichen
Als Reaktion auf die schreckensvolle Welt der Kriegsjahre entwickelte Klee eine Bildsprache mit geheimnisvollen Symbolen aus allen Weltreligionen. In zahlreichen Werken kombinierte er die Symbole Stern, Mond, Sichel, Auge oder Kreuz auf neue, unorthodoxe Weise. Wie die Mondsichel hat etwa auch der sechszackige Stern eine uralte religiöse und übersinnliche Bedeutung.

Götter
Klee neigte dazu, Götter als sinnliche, erbärmliche, dämonische und gelegentlich komische Wesen zu entweihen. In seinen Werken finden sich Fama, Gaia, Pandora, Pomona oder natürlich Venus.

Fantasiewesen
In seinem Spätwerk erfand Klee eine Vielzahl von Fantasiewesen. Es sind Zwitterwesen, die sich entweder aus verschiedenen Tierwesen oder aus Tier und Mensch zusammensetzen. Klee wurde bei der Erfindung neuer Mischwesen oft von seinem Kater Bimbo inspiriert. Dieser verwandelt sich in verschiedensten Kostümierungen und Metamorphosen in die eigenartigsten Tierwesen.

Transformierung
Verwandlung und Transformierung interessierten Klee besonders, weil es sich um eine dynamische Entwicklung handelt. Darin spiegelt sich auch seine Haltung gegenüber der künstlerischen Gestaltung, die er als lebendige «Formung» und nicht als statische, abgeschlossene, als «tote» Form verstand. Klee bezog sich auf Goethes Metamorphosenlehre, die unter anderem durch Rudolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts aktualisiert wurde.

Spiritismus
Klee war spiritistischen Phänomenen gegenüber kritisch eingestellt. Mit dem gefesselten Medium (1939,1157) scheint er sich über Menschen lustig zu machen, die durch ihre spezielle Begabung als Mittlerzwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt dienen. In Trance kommunizieren sie mit den SeelenVerstorbener und übersetzen die Nachrichten aus dem Jenseits durch Klopfgeräusche, Bewegungen odergar Levitationen von Tischen oder anderen Gegenständen.

Jenseits
Bereits 1920 schrieb Klee: «Diesseitig bin ich gar nicht fassbar. Denn ich wohne grad so gut bei den Toten, wie bei den Ungeborenen. Etwas näher dem Herzen der Schöpfung als üblich. Und noch lange nicht nahe genug.» Die Suche nach dem Ewigen und Jenseitigen beschäftigte Klee intensiv, insbesondere im äusserst produktiven späten Werk, das zusätzlich durch Klees Krankheit, die den Tod für ihn wohl allgegenwärtig machte, geprägt war.

Glaube
Auch wenn Klee aus einer protestantischen Familie stammte, distanzierte er sich von jeglicher institutionellen Religion und praktizierte sie auch nicht. Diese distanzierte Haltung zeigt sich inironischen und humorvollen Werken in denen er Glaube, Gott und Heilige thematisierte.

Dämonen
In der Antike war der Dämon eine positive oder negative göttliche Macht und Wirkkraft. Dämonen übermittelten Opfer und Gebete der Menschen an die Götter. Nach der christlichen Lehre sind Dämonen gefallene Engel mit teuflischen Kräften. Dieses Doppel von guten und bösen Dämonen spiegelt sich in Klees Geisterwesen wieder.

Hexenzauber
Schon im Altertum wurden Frauen magische Fähigkeiten zugesprochen. Die Bedeutung der Hexe, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich im 13. Jahrhundert. Auch seinen Hexen- und Zauberwesen gibt Klee seine ganz eigene Gestalt und Bedeutung, immer wieder gepaart mit sehr menschlichen Zügen.