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Wo können wir uns treffen?
Was von dem Unmitteilbaren wäre zu teilen?
Es ist nicht so, dass wir uns treffen müssten. Das ist kein Muss. Aber eine Möglichkeit. Um sie wahrzunehmen, müssten wir einen passenden Ort finden und etwas, was sich mitzuteilen lohnt. Das Problem ist, dass an den üblichen Orten Regeln gelten, die schon im voraus bestimmen, wie unsere Treffen abzulaufen hätten. Was wir einander dort sagen, ist deshalb selten Wert, mitgeteilt zu werden. Letzten Endes ist vielleicht ohnehin nur das Unmitteilbare das, was wir wirklich teilen wollen könnten. Aber wie ist das zu machen?
Griechen gingen in die Stoa um, frei von Regeln, ihre Gedanken mitzuteilen. Die Stoa kann ein Garten vor dem Haus oder unmittelbar vor der Stadt sein. In diesem Garten gelten weder eigentlich die Gesetze des Hauses, des Oikos, noch wirklich die Gesetze des Marktes, der Agora. In der Stoa kann man sich frei bewegen. Deshalb war Sokrates dort tagtäglich anzutreffen. Er wanderte ziellos umher und sprach mit denen, die er traf, über ihre Gedanken, Fragen und Anliegen, besonders über die eher ungewöhnlichen, die existentiellen, die eigentlich unmitteilbaren Dinge. In der Stoa ist es möglich. Das ist der Geist, aus dem heraus Akademien geboren wurden. Wir werden Sommer haben. Also warum nicht umherschweifen und für den Moment eine Stoa gründen?
Die Erfahrung zeigt, dass der beste Weg, um Regeln ausser Kraft zu setzen, ist, eigene zu erfinden. Erst das Formalisieren von Situationen macht das Improvisieren wirklich möglich. Die formale Vorgabe ist deshalb einfach: An jedem Tag der Akademie wird etwas Text gedruckt, werden Bilder auf Plakaten in der Stadt verteilt und ein paar Worte oder Töne gesendet. Von all dem, was wir uns mitzuteilen haben, besonders von dem eher Unmitteilbaren, aber auch von dem brutal Klaren, wäre also am Ende jedes Tages zu fragen, ob es nicht Wert wäre, an die Öffentlichkeit getragen zu werden. Weil jeden Tag etwas gedruckt, verteilt und gesendet wird, müssen wir irgendwie zusammen entscheiden, was das ist. Was dabei herauskommt, könnte der Ausdruck eines Denkens von verschiedenen Urhebern sein, die nicht einmal viel gemeinsam haben müssen, sondern vielleicht, unter den Bedingungen einer Stoa, vielmehr gerade ihre unmitteilbare Unterschiedlichkeit mitteilen.
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