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Vernissage: Samstag 27. Januar 2007 18 Uhr, Auditorium
Am 25. Dezember 2006 jährt sich Robert Walsers Todestag zum 50. Mal. Das Robert Walser-Archiv realisiert eine grosse Ausstellung zu Leben und Werk des Autors. Als Robert Walser vor 50 Jahren – am Weihnachtstag des Jahres 1956 – auf einem einsamen Spaziergang im Schnee starb, war nichts unwahrscheinlicher, als dass sein Werk noch einmal grössere Verbreitung und Resonanz finden würde. Seine letzten 27 Lebensjahre hatte er in psychiatrischen Kliniken verbracht – als Autor verstummt und als Mensch nahezu vollständig vergessen. Ab Mitte der 60er Jahre begann man Walser neu zu entdecken. Heute zählt sein Werk zur Weltliteratur und liegt in mehr als zwei Dutzend Sprachen vor.
Die Robert Walser-Ausstellung hält nach Frankfurt, Berlin und Prag im Zentrum Paul Klee in Bern Station. Die Ausstellung ermöglicht in speziell konzipierten Räumen – Das Büro (der Commis), Das Theater (der verhinderte Schauspieler), Die Mansarde (der Dichter), Der Spaziergang (der Flaneur) und Die Klinik (der Patient) – Einblicke in Walsers prägende Erfahrungen als Mensch und Dichter. Das Zentrum der Ausstellung bildet die Installation einer Schatzkammer, die Walsers Manuskriptwelt birgt.
Die Robert Walser-Ausstellung im Zentrum Paul Klee wird in Zusammenarbeit mit Stadt und Kanton Bern realisiert.
Robert Walser und Paul Klee Robert Walser und Paul Klee sind Zeitgenossen in vielerlei Hinsicht. Walser wurde 1878 in Biel, Klee 1879 in Münchenbuchsee geboren. Ersterer wurde Dichter, letzterer Maler. Ersterer wollte Schauspieler werden, letzterer hätte auch Musiker werden können. Beide Künstler liebten die Miniatur, das kleine Format, die leise Beobachtung und setzten sich mit der sie umgebenden Lebenswirklichkeit auseinander. Walser etwa schrieb eine kurze Skizze "Bern", Klee malte "Bern" und "Aare b. Bern", Walser schrieb "Die Landschaft", Klee malte "kl. Landschaft", der leidenschaftliche Spaziergänger Walser schrieb die grosse Geschichte "Der Spaziergang", Klee malte "Spaziergang Hand in Hand", "Spaziergang im Hügelland", und Walsers "Kleist in Thun" wird sicherlich auch Klees "Dampfschiff auf dem Thunersee" vor Augen gehabt haben.
In manchem unterschieden sich die beiden Künstler hingegen auch. Während Klee nach der Matura in München das Malen anfing, absolvierte Walser von 1892-95 eine Banklehre in Biel und arbeitete in unzähligen Anstellungen als Commis, Hilfsbuchhalter, Angestellter, Diener und Gehülfe. Klee war verheiratet und Vater eines Sohnes, lebte in München, Dessau und Düsseldorf, war Lehrer am Bauhaus und an der Düsseldorfer Kunstakademie und verbrachte die letzten sechs Lebensjahre wieder in Bern. Robert Walser führte ein unstetes Leben zwischen Biel, Berlin und Bern mit unzähligen Stellen-, Zimmer- und Wohnungswechseln – in einem Jahr zog er in Bern 16 mal um –, Frauen kannte er eher aus phantastischen Vorstellungen und bewunderte sie in Erzählungen oder schrieb ihnen Briefe. Die letzten 26 Jahre seines Lebens verbrachte Robert Walser in psychiatrischen Kliniken, erst in der Waldau, dann in Herisau, wo er das Schreiben ganz verweigerte.
Robert Walser meisterte sein Leben in eigenen Worten mit einer Seele, der es Schmerz bereitet, beobachten zu müssen, wie so viel Schönes, Lebendiges, Eilendes und Flüchtiges in der Welt davonfliegt, und versuchte, dem achtlos und gedankenlos dahinflutenden Strom des Lebens Schönheitswerte, die eben am Ertrinken und Untergehen sind, zu entreissen.
Ein hochstehendes Begleitprogramm aus Lesungen, Theater- und Tanzaufführungen – fünf Premieren und 10 Veranstaltungen – mit direktem Bezug zu Walser wird zur gebührenden Ausstrahlung der Ausstellung und breiten Auseinandersetzung mit Robert Walser beitragen.
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