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Die „Vision Zentrum Paul Klee“
(Andreas Marti, Direktor)


Drei Standbeine braucht eine Institution wie das entstehende Zentrum Paul Klee, um stabil zu sein und zu bleiben. Das Zentrum Paul Klee verfügt über diese drei Standbeine. Es sind dies:

  • Die Initiative der Familie Klee, konkret von Herrn Alexander Klee, dem Enkel von Paul und Lily Klee, sowie von Frau Livia Klee-Meyer, der Schwiegertochter des Künstlerpaares, mit ihrem Schenkungs- bzw. Dauerleihangebot.
  • Die Schenkungsangebote für Land und Geld von Herrn Prof. Dr. Maurice E. Müller und Frau Martha Müller-Lüthi sowie insbesondere die Visionen von Prof. Müller.
  • Und schliesslich das Mitziehen der öffentlichen Hände, das heisst von Stadt Bern, Kanton Bern und Burgergemeinde Bern sowie der 84 Gemeinden der Regionalen Kulturkonferenz Bern.


Das Zentrum Paul Klee darf wohl als Musterbeispiel für das genommen werden, was entstehen kann, wenn Private und die öffentliche Hand sich finden und gemeinsam auf ein hohes Ziel hin arbeiten.
 
Vorgeschichte
Geplant war seit der Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts, Paul Klee in Bern mit den Beständen der Paul-Klee-Stiftung, der Schenkung von Frau Livia Klee-Meyer und den Leihgaben von Herrn Alexander Klee ein eigenes Museum zu errichten und zu betreiben. Es war ein Museum, das wir planten. Ein Museum, das ausschliesslich der Vermittlung des bildnerischen Werkes von Paul Klee dienen sollte. Eine Fortführung somit dessen, was das Kunstmuseum Bern und die Paul-Klee-Stiftung seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Erfolg betrieben haben. Die Visionen von Prof. Müller erweiterten das anfänglich mit einem Standort in der Innenstadt – in unmittelbarer Nähe des Kunstmuseums Bern – angedachte Museum zu einem Kulturzentrum am Ostrand der Stadt Bern. Ausgehend von der Disziplinen übergreifenden Tätigkeit Paul Klees als Maler, Musiker, Lehrer, Schriftsteller, Philosoph und Didaktiker, drängte Prof. Müller darauf, nicht einfach ein Kunstmuseum zu schaffen, sondern Paul Klee in seiner Vielschichtigkeit darzustellen. Insbesondere auch seine Frau Martha Müller-Lüthi ist es, die, in konsequenter Fortführung der von ihr über Jahrzehnte gelebten Förderung junger Musikerinnen und Musiker, ein besonderes Augenmerk auf die musikalische Seite im Zentrum Paul Klee richtet. Ihr verdanken wir es, dass wir heute einen Musiksaal bauen dürfen, der uns die Möglichkeit gibt, das Spannungsverhältnis zwischen Paul Klees bildnerischem Werk, der von ihm selbst gespielten Musik von Barock bis Romantik und den von seinem Werk angeregten zahlreichen Kompositionen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des 21. Jahrhunderts zu thematisieren. Mit dieser Möglichkeit hat sich das Zentrum Paul Klee eine zusätzliche Dimension der Vermittlung erschlossen, denn die Musik spielt im bildnerischen Denken von Paul Klee eine zentrale Rolle.
 
Inhaltliche Konzepte
Die Schenkungen der Familie Klee also, die Visionen von Prof. Maurice E. Müller und seiner Frau Martha Müller-Lüthi und das aktive Mitgehen der öffentlichen Hände in Bern waren die Grundlagen für die Erarbeitung der inhaltlichen Konzepte des Zentrum Paul Klee.
 
Wir wollen zunächst das künstlerische, pädagogische und theoretische Werk Paul Klees sowie dessen Bedeutung im kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhang seiner Zeit wissenschaftlich erschliessen. Als Folge davon und in allererster Linie wollen wir den Besucherinnen und Besuchern dieses Werk anschaulich vermitteln. Dabei sollen zeitgemässe Fragenstellungen, neue wissenschaftliche Interpretationen und methodisch innovative Präsentationen die Vehikel sein, das kreative Potential Paul Klees in die künstlerische und kulturelle Gegenwart einzubringen. Es ist unsere feste Absicht, auch Bevölkerungskreise zum Besuch des Zentrum Paul Klee anzuregen, die bisher einen grossen Bogen um Museen gemacht haben. Unseren Besucherinnen und Besuchern sollen neue Zugänge zur Kunst und ganz besonders zum Werk Paul Klees erschlossen werden und es sollen ihnen Erfahrungen ermöglicht werden, die zur intensiven Auseinandersetzung mit Klee und zum Wiederkommen ins Zentrum Paul Klee motivieren. Aber nicht genug damit. Wir wollen auch die Forschungs- und Vermittlungstradition der Paul-Klee-Stiftung (PKS), die sie seit 1947 gepflegt hat, weiterführen und wir wollen das weltweite Kompetenzzentrum für die Erforschung und Vermittlung von Leben und Werk Paul Klees und dessen Wirkungsgeschichte bleiben.
 
Bildungsauftrag
Unter einer langfristigen Betrachtungsweise werden die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler des Kantons Bern, der Region Bern und der Stadt Bern den Betrieb dieses Kulturzentrums sicherstellen. Dieses grosszügige Engagement der öffentlichen Hand verpflichtet uns zu Gegenleistungen. Das Zentrum Paul Klee will der Bevölkerung von Kanton, Stadt und Kanton Bern aber auch der Schweiz und des Auslands einen substantiellen Beitrag zur Lebensbewältigung und zur Freizeitgestaltung leisten. Wenn es uns gelingt, Schulen zur immer wiederkehrenden Auseinandersetzung mit Paul Klee anzuregen, Erwachsene vieler Bevölkerungsschichten und aller Altersstufen zur Begegnung mit der Kunst zu verführen und wenn irgend möglich auch zur eigenen kreativen Tätigkeit einzuladen und zu bewegen, haben wir unseren Auftrag erfüllt. Wir sind der festen Überzeugung, dass ein ganz wesentlicher Bildungsauftrag aller Kulturinstitutionen darin besteht, weiten Bevölkerungskreisen einen vertieften Zugang zum kulturellen Schaffen zu ermöglichen und damit einen Beitrag zur Förderung einer sozialen und ethisch anspruchsvollen Lebenshaltung zu leisten.
 
Auf Kurs
Sie haben bei der Begrüssung durch Frau Ursina Barandun gehört, dass wir uns freuen würden, Sie auf den Tag genau in einem Jahr anlässlich der Eröffnungsmedienkonferenz und der Vorbesichtigung des Zentrums wieder bei uns begrüssen zu dürfen. Ich weiss, dass diese Aussage sehr kühn ist. Die schwierigste Phase des Baus und der inhaltlichen Planung stehen uns noch bevor: Aus einem Rohbau muss ein benutzerfreundliches Haus werden, und zahlreiche inhaltliche Konzepte müssen zu Vermittlungsangeboten umgesetzt werden. Ich kann aber heute mit Beruhigung feststellen, dass wir bezüglich der Bauarbeiten wie auch bezüglich der inhaltlichen Vorbereitungen auf Kurs sind.
 
Natürlich wird das Zentrum Paul Klee in seinen Eröffnungstagen nicht seine gesamte potentielle Energie ausspielen können – dies aber auch nicht wollen. Es ist dennoch unser Ehrgeiz, von allem Anfang an einen attraktiven Beitrag in der Kultur- und Tourismusszene Berns und der Schweiz darzustellen.
 
Die Grosszügigkeit von Stadt und Kanton Bern ermöglicht es uns, hier, an unserem vorläufigen Standort an der Weltistrasse 40 in unmittelbarer Nähe unserer Baustelle, den Betrieb inhaltlich und personell vorzubereiten.
 
Eine besondere Rolle fällt der Burgergemeinde Bern zu, die ab ovo das Projekt mitgetragen hat und die mit der Schaffung der Paul Klee-Stiftung der Burgergemeinde Bern das Instrument bereit gestellt hat, uns auch langfristig bei Sonderprojekten finanziell zu unterstützen. Oder anders gesagt: Die mit ihrem grossen finanziellen Engagement Sonderprojekte wie Publikationen, Ausstellungen, Sammlungserweiterung usw. erst ermöglichen wird.
 
Ein Jahr vor Eröffnung
Sie können sich vorstellen, dass wir – ein Jahr vor Eröffnung – nicht mehr daran sind, uns warmzulaufen. Die Planung und Realisierung eines Kulturzentrums von der „bescheidenen“ Grösse des Zentrum Paul Klee braucht einen langen Atem. Wir haben Luft und Atem immer noch, aber wir sind auf diesem Dauerlauf bereits bei einem beträchtlichen Tempo angelangt. So werden wir, davon bin ich überzeugt, fristgerecht und auf dem erforderlichen Niveau eröffnen können.

(Es gilt das gesprochene Wort)



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  © 2009, Zentrum Paul Klee, Monument im Fruchtland 3, Postfach 3000 Bern 31, Tel. +41 (0)31 359 01 01, Fax +41 (0)31 359 01 02, E-Mail:
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