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Auftrag geht an Renzo Piano

18.12.1998

An seiner heutigen Sitzung (18. Dezember 1998) hat der Stiftungsrat der Maurice E. and Martha Müller Foundation (MMMF) beschlossen, für ein Vorprojekt für das Paul Klee-Museum in Bern dem international bekannten Architekten und Museumsspezialisten Renzo Piano einen Direktauftrag zu erteilen.
 
Am 4. November 1998 wurde zwischen dem Ehepaar Müller und dem Kanton, der Einwohnergemeinde und der Burgergemeinde Bern ein Vertrag unterzeichnet, der den Bau des Paul Klee-Museums der Maurice E. and Martha Müller Foundation überträgt. Als privat-rechtlicher Stiftung steht es ihr zu, frei über die Ausgestaltung des Verfahrens zu entscheiden, das zu einem Bauprojekt führt.
 
Nach sorgfältiger Abklärung der verschiedenen Varianten hat sich der Stiftungsrat an seiner Sitzung vom 18. Dezember 1998 für die Vergabe eines Direktauftrages an Renzo Piano entschieden. Bei seinem Beschluss hat er sich in erster Linie von folgenden Überlegungen leiten lassen: Zum einen möchte er ein Museum bauen, das höchsten qualitativen Anforderungen genügt. Zum andern steht das ganze Vorhaben unter Zeitdruck, ist doch die Schenkung von Livia Klee-Meyer mit klaren zeitlichen Vorgaben bezüglich der Realisierung des Museumsbaus verbunden. Im Weiteren ist der Stiftungsrat davon ausgegangen, dass er mit der Durchführung eines Wettbewerbsverfahrens das Risiko eingeht, die international wichtigsten Architekturbüros nicht zur Teilnahme bewegen zu können. In Abwägung dieser Fragen hat sich der Stiftungsrat schliesslich auf die Vergabe eines Direktauftrages geeinigt, überzeugt davon, auf diesem Weg am schnellsten und sichersten zu einem qualitativ herausragenden Projekt zu kommen.
 
Bei einem Direktauftrag stützt sich der Entscheid für einen bestimmten Architekten oder eine Architektin auf ihre bisher erbrachten Leistungen. Dies ist denn auch die Basis, auf der sich der Stiftungsrat für Renzo Piano als Wunschkandidaten entschieden hat. Der 1937 in Genua geborene Stararchitekt kann auf eine lange Liste von exzellenten Bauten verweisen. Unter diesen befinden sich auch mehrere Museen, die ausnahmslos alle als innovative Lösungen zu bezeichnen sind. Den Anfang in diesem Bereich hat er – zusammen mit Richard Rogers – mit dem Centre Georges Pompidou in Paris gemacht, dessen durchschlagender Erfolg als Kulturbetrieb stark von der auch heute noch verblüffenden Architektur geprägt ist. Als eine Perle unter den jüngsten Museumsbauten gilt die von Piano entworfene De Menil Collection in Houston, die in der Zeit zwischen 1982 und 1986 gebaut worden ist. Dieser Komplex wurde ein paar Jahre später um den Twombly-Pavillon ergänzt. Kurz darauf wurde neben dem Centre Georges Pompidou das kleine Museum vollendet, in dem das Atelier von Brancusi untergebracht ist. Als weiterer Meilenstein in seiner Erfolgskarriere als Museumsarchitekt folgte im Jahr 1997 die Eröffnung der Fondation Beyeler in Riehen. Das nächste Ereignis war das Kulturzentrum in Nouméa (Neukaledonien) im Verlaufe dieses Jahres.
 
Die Fondation Beyeler ist das bisher einzige Projekt, das Renzo Piano in der Schweiz verwirklicht hat. Da es auch ein Museum ist, gibt es denn auch Stimmen, die befürchten, dass das bernische Klee-Museum zu einer Kopie des Riehener Museums werden könnte. Das Klee-Museum wird sich jedoch in zwei wesentlichen Punkten vom Museum in Riehen unterscheiden: durch seine monografische Ausrichtung und durch das angegliederte Forschungszentrum zu Paul Klee. Lässt man zudem die Reihe der von diesem Architekten geplanten Museumsbauten Revue passieren, kann leicht festgestellt werden, dass sie alle eine sowohl ästhetisch als auch technologisch innovative Lösung präsentieren. Zudem zeichnet sie alle eine grosse Sensibilität für ihre landschaftliche und städtebauliche Umgebung aus. Entsprechend breit ist das Spektrum der von Piano realisierten Museumsbauten und Museumsanlagen: Es reicht von den gediegen zurückhaltenden Häusern in Houston und Riehen bis zum spektakulären schiffförmigen Amsterdamer Museum für Wissenschaft und Technologie.
 
Erste Kontakte mit Renzo Piano haben ergeben, dass sein Interesse, das Paul Klee-Museum zu entwerfen, sehr gross ist. Der Stiftungsrat wird diesen Weg nun weiterverfolgen und ist überzeugt davon, schliesslich zusammen mit diesem Architekten ein Museum bauen zu können, das dem Werk von Paul Klee kongenial ist und auch städtebaulich eine optimale Lösung bietet. Der Stiftungsrat wird sich in seiner Arbeit durch Fachleute aus den Bereichen Architektur und Museumsplanung beraten lassen.

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