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Aus dem Nachlass von Herrn Richard B. Sisson, der im März 2004 im Alter von 86 Jahren in den USA (County of Allegany, State of New York) verstorben ist, hat das Zentrum Paul Klee 6 Werke von Paul Klee als Geschenk erhalten, die Anfang dieses Jahres an ihrem neuen Standort im Schöngrün eingetroffen sind. Richard B. Sisson war Kunstliebhaber und besass eine bedeutende Kunstsammlung. Zu Lebzeiten hatte Richard B. Sisson Kontakte mit der Paul-Klee-Stiftung gepflegt, die er in seinem Testament als Begünstigte für seine Klee-Bilder eingesetzt hatte. Weitere Werke seiner Kunstsammlung vermachte er dem Fogg Museum of Art at Harvard University, Cambridge und dem Metropolitan Museum in New York. Bei den 6 geschenkten Werken von Paul Klee handelt es sich um: figurinen dreier Ritter, 1927, 312; Apparat für feine Akrobatik, 1922, 234; Tragische Hexenballade mit Drehorgelbegleitung, 1922, 162; gedeckter Tisch, 1910, 26; Millionenmord das macht nichts, 1918, 7; Zum Abschrecken, 1940, 358.
gedeckter Tisch, 1910, 26 Das Blatt gedeckter Tisch, 1910, 26 ist ein herausragendes Beispiel aus der Werkgruppe der so genannten Schwarzaquarelle, die nur 17 Arbeiten umfasst und wichtig für Paul Klees Entwicklung zum Maler in den Jahren 1908 bis 1910 war. Klees Meisterschaft in der farbigen Aquarellmalerei, die ihren Höhepunkt in den Aquarellen der Tunisreise von 1914 fand, verdankt sich in hohem Masse den tonalen Differenzierungsmöglichkeiten, die der Künstler in Schwarzaquarellen wie gedeckter Tisch, 1910, 26 erlangt hatte. Im Stillleben mit Geschirr spielte Klee die Skala von hell zu dunkel in feinster Abstufung durch. Die sparsam gesetzten Aussparungen des weissen Papiers erscheinen als Lichtpunkte, das kompositorisch bemerkenswerte Format betont die breite Lagerung der Bildgegenstände.
Millionenmord das macht nichts, 1918, 7 Die Federzeichnung Millionenmord das macht nichts, 1918, 7 entstand im letzten Jahr des 1. Weltkriegs, das Klee als Schreiber in der Fliegerschule Gersthofen hinter den Linien erlebte. Klee distanzierte sich von der Kriegsbegeisterung vieler Zeitgenossen und Künstlerkollegen und äusserte von einem radikal subjektiven Standpunkt aus seine Abscheu vor der Grausamkeit und der Sinnlosigkeit des Krieges. Diese Haltung widerspiegelt sich im Titel des Blattes Millionenmord das macht nichts; dessen Zynismus zielt direkt auf die menschenverachtenden Durchhalteparolen der Machthaber in der letzten Phase des Krieges. Das Blatt beinhaltet Klees wohl schärfste politische Kritik am deutschen Militarismus in den Jahren 1914 bis 1918. Charakteristisch für das Schaffen der Jahre 1918 und 1919 ist der Einbezug der Sprache als inhaltliches und gestalterisches Element der Bildkonstruktion.
Tragische Hexenballade mit Drehorgelbegleitung, 1922, 162 Die Tragische Hexenballade…stammt ebenfalls aus Klees früher Bauhauszeit in Weimar, in der Klee in kurzer Zeit das Spektrum seiner Kunst in einem solchen Umfang erweiterte, dass er die Idee einer Kunst verfolgte, deren Phantasien durch das „gesamte inhaltliche und stilistische Gebiet“ führen sollten. Mit Interesse beobachtete er zwischenmenschliche Ereignisse, Landschaftliche Strukturen und Abläufe in der Natur, Musik und Theater, und verband diese Themen in oft grotesken Szenerien. Die Tragischen Hexenballade … stammt aus dieser Zeit und ist ein Beispiel für eine solche Groteske. Erotik und Komik, Musik und eine absurde Bühnenmechanik spielen hier zusammen und geben dem Blatt seinen besonderen Reiz. Im Jahr 1923 verarbeitete Klee die Zeichnung weiter in der grossformatigen farbigen Arbeit Schlangen-Töterin, 1923, 41.
Apparat für feine Akrobatik, 1922, 234 Der Apparat für feine Akrobatik ist eine filigrane Bleistiftzeichnung, in der Klee verschiedene luftige Konstruktionselemente zu einer Zirkus-Szenerie zusammenfügt. Gebaut darf man sich diesen „Apparat“ allerdings nicht vorstellen, denn seine Konstruktion entspricht nicht den Regeln der Statik, sondern folgt der Logik zeichnerischer Phantasie. Besonders in den Jahren 1921 bis 1923 erfand Klee eine grosse Zahl an solchen Apparaturen. Manche von ihnen sind berühmt geworden, wie zum Beispiel die Zwitschermaschine (1922, 151). Das Thema Mechanik interessierte ihn dabei weniger in technischer Hinsicht, sondern um damit menschliche Vorgänge, psychischer und physischer Natur, darzustellen.
figurinen dreier Ritter, 1927, 312: Die Zeichnung gehört zu einer ganzen Gruppe von Arbeiten aus dem Jahr 1927, in denen Klee sich auf Theaterfiguren bezog. Möglicherweise wurde er dazu von aktuellen Theatererlebnissen angeregt, ebenso kann es sein, dass er hier Erinnerungen an frühere Aufführungen verarbeitete. Denn Klees bildnerischer Reichtum entstand massgeblich aus der ständigen Präsenz von Erinnerungen und aus Rückgriffen auf frühere Werkphasen. Eine Anregung für die figurinen dreier Ritter könnte von Klees Sizilienreise im Jahr 1924 ausgehen, wo er auch das traditionelle sizilianische Marionettentheater besuchte, dessen Repertoire vor allem aus Ritterstücken besteht. Die drei Ritterfiguren zeichnete Klee mit präzise schraffierten geometrischen Formen. Trotz dieses strengen Zeichenschemas besitzen die Figuren ihre eigene Komik. Das Blatt ist ein wichtiges Exemplar jener Werkphase, in der Klee begann, seine erzählerische Phantasie mit einer geometrischen Formensprache zu verbinden. Im Verlauf der 2. Hälfte der 1920er-Jahre wird er diese konstruktive Richtung weiter ausbauen.
Zum Abschrecken, 1940, 358 Die Kleisterfarbenzeichnung Zum Abschrecken, 1940, 358 ist in Klees letztem Lebensjahr entstanden und vom Künstler als eine der letzten Arbeiten in seinen handschriftlichen Oeuvrekatalog eingetragen worden. In für sein Spätwerk charakteristischer Weise verdichtet Klee die Bildaussage zum zeichenhaften Inhalt: einem dominanten doppelsichtigen Auge, eingeschrieben in eine Form, die als apotropäisches Gesicht und Gefäss zugleich gesehen werden kann.
Die beigefügten Abbildungen sind für die Reproduktion in den Medien freigegeben.
Weitere Auskünfte erteilen: Andreas Marti, Direktor Zentrum Paul Klee, 031 359 01 20 Dr. Michael Baumgartner, Kurator Zentrum Paul Klee, 031 359 01 33 Dr. Christine Hopfengart, Kuratorin Zentrum Paul Klee, 031 359 01 36
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