|
Ausgangslage Zum Projekt Paul Klee-Museum wurden die Medien im vergangenen September zu einem ersten Gespräch eingeladen. Anlass dazu waren zwei Vereinbarungen, welche die Einrichtung eines Klee-Museums überhaupt erst möglich machen. In der Vereinbarung vom 14. Mai 1997 beschenkte Livia Klee-Meyer die Stadt und den Kanton Bern in grosszügiger Weise mit ihrem Anteil aus dem Erbe des Klee-Sohnes Felix. In einer weiteren Vereinbarung vom 3. Juli 1997 bekräftigten der Regierungsrat des Kantons Bern, der Gemeinderat und der Burgerrat der Stadt Bern ihre Absicht, gemeinsam für den Bau und den Betrieb des zukünftigen Museums aufzukommen. Als Museumsstandort wurde damals das so genannte „Progr“-Gebäude zwischen Speichergasse und Hodlerstrasse vorgestellt. Die Idee, ein Klee-Museum zu realisieren, stiess auf breite Zustimmung, die Standortfrage hingegen löste rasch Kontroversen aus. Während sich die einen den alten „Progr“ – nicht zuletzt wegen seinem grosszügigen Hof – durchaus als Museum vorstellen konnten, fanden andere dieses historisierende Gebäude für einen wichtigen Exponenten der klassischen Moderne unpassend. In der Folge erklärten sich Stadt, Kanton und Burgergemeinde bereit, den Planungsperimeter auf das Gebiet zwischen der Schützenmatte und dem unteren Waisenhausplatz zu erweitern. Die Firma Metron erhielt den Auftrag, zu diversen Standorten in diesem Bereich eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Der Schlussbericht zu diesen Abklärungen ist für August/September 1998 zu erwarten. Eine neue Dimension Vor kurzem hat nun die Standortfrage eine neue Dimension erhalten, indem Herr und Frau Prof. Müller dem Gesamtprojektausschuss ein Schenkungsangebot unterbreitet haben. Maurice E. Müller ist in den Jahren von 1963 bis 1980 Inhaber des orthopädischen Lehrstuhls der Universität Bern und gleichzeitig Direktor der Klinik für Orthopädische Chirurgie am Inselspital gewesen. Er gilt als Pionier in der Entwicklung künstlicher Hüftgelenke und war auch an ihrer industriellen Herstellung wesentlich beteiligt. Schon wiederholt ist Professor Müller als Mäzen aufgetreten: In Bern, Basel, den USA und Kanada hat er verschiedene Lehrstühle eingerichtet und Institute gestiftet, die im Bereich der medizinischen Forschung tätig sind. Schenkungsangebot Müller Nach ersten informellen Kontakten fand in der vergangenen Woche ein Gespräch zwischen dem Ehepaar Müller und dem Gesamtprojektausschuss Paul Klee-Museum statt. Bei dieser Gelegenheit haben Herr Müller und seine Gattin sich dahingehend geäussert, dass sie für die Realisierung ihrer Vision eines Klee-Museums ein Grundstück und einen Barbetrag von mindestens 30 Millionen Franken schenken möchten. Zusätzlich bieten sie an, sich während der ersten zehn Jahre zur Hälfte an den Betriebskosten des neuen Museums zu beteiligen. Das zur Diskussion stehende Grundstück befindet sich auf dem Areal des Schöngrün-Quartiers und war ursprünglich für ein Residenz- und Kulturzentrum vorgesehen. Als Trägerschaft für die Realisierung des Museums im Schöngrün steht für das Ehepaar Müller eine privat-rechtliche Stiftung im Vordergrund. Nicht zuletzt aus Zeitgründen möchten sie auf die Durchführung eines Wettbewerbs verzichten und direkt einen international renommierten Architekten beiziehen. Mittlerweile liegt von Seiten des Ehepaars Müller bereits eine schriftliche Absichtserklärung vor. Der Gesamtprojektausschuss möchte diesen Brief zum Anlass nehmen, Maurice und Martha Müller für ihr grosszügiges Angebot ganz herzlich zu danken. Vorgängig zu diesem Gespräch von letzter Woche hat die Stadtverwaltung auf Veranlassung des Stadtpräsidenten Dr. Klaus Baumgartner die planerische und zeitliche Realisierbarkeit dieses Projektes abklären lassen. Bei dieser Überprüfung hat sich gezeigt, dass die Dienstbarkeitsverhältnisse auf dem Schöngrün-Areal und die Erschliessungsfrage den durch die Vereinbarung mit Livia Klee-Meyer gegebenen Zeitrahmen gefährden könnten. Der Gesamtprojektausschuss Paul Klee-Museum hat deshalb im Gegenzug dem Ehepaar Müller vorgeschlagen, die an das Schöngrün-Areal angrenzenden städtischen Grundstücke in ihre Überlegungen einzubeziehen. Auch für diese Grundstücke sind Auflagen zu beachten, doch nach ersten Einschätzungen der städtischen Verwaltung sind sie einfacher zu lösen, als diejenigen, die für das zur Diskussion stehende Schöngrün-Grundstück zu erfüllen sind. Weiteres Vorgehen Die beeindruckende Offerte von Seiten des Ehepaars Müller bringt nun eine weitere Dimension in die laufenden Planungsarbeiten. Bisher standen dafür drei Vorgaben im Vordergrund: Der Zeitfaktor, die Zentrumslage und die Nähe zum Kunstmuseum. Die einzuhaltenden Fristen sind – wie schon erwähnt – durch die Vereinbarung mit Livia Klee-Meyer gegeben. Es wird nun die Aufgabe des Gesamtprojektausschusses sein, abzuwägen, welcher Standort dem Klee-Museum am besten gerecht wird. Bei der Entscheidfindung wird die anvisierte enge Zusammenarbeit zwischen dem Kunstmuseum und dem künftigen Klee-Museum weiterhin ein wichtiger Massstab bleiben, ebenso die von der Stadt und dem Kanton erwünschte Kooperation mit der Interessengemeinschaft für ein Museum für Gegenwartskunst. Bis zum Standortentscheid, der im Herbst zu erwarten ist, werden alle Optionen, die bisher zur Debatte gestanden haben und diejenigen, die nun neu dazugekommen sind, parallel weiterverfolgt. Der Gesamtprojektausschuss Paul Klee-Museum (GPAK)
- Regierungsrat Dr. Hans Lauri
- Stadtpräsident Dr. Klaus Baumgartner
- Burgerratspräsident Dr. Kurt Hauri
|